Hier die Aufzeichnung der Homilie von Vikar Willi Schwärzler an der ökumenischen Mahlfeier vom 9. November 2025 zum Thema „Nicht zufällig – Auserwählt & berufen“ mit nachfolgendem AI- Transkript.
Predigt von Vikar Willi Schwärzler
Ökumenische Mahlfeier 9. November 2025
Liebe Freunde und Freundinnen dieser ökumenischen Mahlfeier,
ich darf jetzt schon einige Male dabei sein, und heute bin ich mal in einer anderen Funktion hier. Ich möchte einfach ein bisschen das Thema aufgreifen, das wir ja schon gelesen haben: auserwählt, erwählt, berufen.
Die Emmaus-Jünger und der „Fremde“
Die sogenannten Emmaus-Jünger machen sich auf den mühsamen Weg nach Emmaus, weg von Jerusalem, wo ihre Hoffnung im wahrsten Sinne des Wortes begraben wurde. Und ein Fremder kommt zu ihnen, der ihre Traurigkeit sieht, aber so tut, als ob er von allem nichts wisse. Sie fragen ihn: „Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in den vergangenen Tagen dort Schlimmes passiert ist?“
Und sie erklären ihm, was dort passiert ist, und erzählen ihm von der Hoffnung, die sie hatten und die sie verloren haben.
„Du bist so fremd“ – ein Vorwurf?
Wenn man jemandem sagt „Du bist so fremd“, dann meint man das meistens nicht so gut. Man sagt es durch die Blume oder durch vorgehaltene Hände: „Du bist nicht von dieser Welt. Du lebst in irgendeinem Wolkenkuckucksheim oder in einem Traumschloss abseits. Du weißt eigentlich gar nicht, was auf der Welt passiert, welche Gesetze in dieser Welt gelten, was sich gehört.“
Man wird damit darauf gestoßen: Du bist anders – und zwar im negativen Sinne anders. Du bist lebensuntüchtig. Du bist nicht ein Mensch dieses Datums, dieser Zeit. Du bist von gestern, du bist vom Mond – jedenfalls gehörst du nicht hierher.
Anders sein – unsere Berufung
Und ich glaube, genau das ist manchmal ein Hinderungsgrund für uns als Christen, dass wir unserer eigentlichen Aufgabe, unserer Sendung nicht gerecht werden. Denn genau das ist diese Aufgabe: fremd zu sein, ein Fremdkörper zu sein, anders zu sein.
Es geht eben nicht nur zufällig darum, zu dieser Gemeinschaft Kirche zu gehören. Sondern wir sind in der Taufe und in der Firmung dazu berufen worden, auserwählt worden. Und „erwählt“ heißt in der Bibel immer: berufen zum Anderssein. Berufen, eine Alternative zu sein. Berufen – wenn man es auf die Kirche bezieht – eine Kontrastgesellschaft zu sein.
Die Radikalität der Liebe
Und das macht Jesus ja eigentlich immer wieder vor. Er sagt: „Seht, wenn ihr nur die liebt, die euch lieben – was ist besonderes daran? Wo soll es da anders hergehen?“
Ihr sollt die lieben, die ihr nicht sympathisch findet, die euch nicht lieben, die kein Gegengeschäft starten. Es geht nicht darum, die zu lieben, die uns lieben und die einfach liebenswert sind. Sondern wir sollen auch die lieben, die uns unsympathisch sind, zu denen unser Herz nicht automatisch hinfliegt, weil wir sie nicht umarmen können und möchten.
Oder es gilt genauso: Wenn ihr ein Ja zu jemandem oder zu etwas sagt, dann soll das nicht ein „Jein“ sein oder ein Ja, das man mit einem Eid bekräftigen muss. Unser Ja soll zweifelsfrei ein klares Ja sein – nicht halbherzig: „Na ja, probieren wir es halt einmal, versuchen wir es halt kurz“ oder wie auch immer.
Feindesliebe
Oder genauso, wenn es darum geht, wen wir eigentlich lieben sollen: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.“ Und Jesus sagt: „Ich aber sage euch: Ihr sollt nicht nur den Nächsten lieben, sondern auch den Feind.“
Dem Feind Gutes tun, Liebes tun – das ist wie glühende Kohlen auf sein Haupt streuen. Feine Funken, die den Menschen zum Nachdenken anregen, ihn aufwecken aus dieser feindlichen und ablehnenden Haltung anderen Menschen gegenüber. Vielleicht weckt es in ihm den Gedanken: „Wieso ist dieser Mensch so feindlich, so ablehnend mir und anderen gegenüber?“
Und wenn man anders handelt – eben nicht so handelt, wie der Feind es erwartet, dass wir mit gleicher Münze vergelten, dass wir genauso zurückschlagen oder ihm noch einen Fluch hinterherschicken und ihm alles Schlechte wünschen, weil er so feindlich ist, so böse, weil er nicht in die Gesellschaft hineinpasst und das Zusammenleben stört – nur durch dieses Anderssein kann etwas in Bewegung kommen, kann in diesem Menschen innerlich, in seinem Herzen, etwas wachsen.
Eine Nachdenkphase kann entstehen, ein Versuch, vielleicht doch sein Leben zu reflektieren: „Was ist anteilsmäßig meine Schuld daran, dass mir andere zum Feind geworden sind?“ Und irgendwann kann es geschehen, dass man vielleicht mit einem Blick, mit einem guten Wort oder einfach mit einem guten Gedanken dem anderen doch nicht nur die Pest an den Hals wünscht.
Licht und Salz der Welt
Ich denke mir, der Hintergrund ist einfach das, was wir dann als Ritual – das Teilen von Licht und Salz – gemeinsam praktizieren möchten. Licht und Salz sind eigentlich sprechende Bilder dafür, dass etwas wirkt.
Das Licht
Ein Licht – wenn man natürlich in einem ganz hell erleuchteten Raum eine Kerze mit einer flackernden Flamme aufstellt, ganz klein – die wird nicht wirken. Aber wenn der Raum dunkel ist und eine Kerze brennt, dann kommt Licht in diesen Raum. So wie bei den kommenden Laternenträgern, den Kindern, die das Martinsfest feiern: Je mehr Lichter es sind, umso heller wird es. Und ein Licht macht schon den Raum hell.
Aber das Licht ist anders als die Dunkelheit. Und weil das Licht anders ist, wird der Raum hell. Wir finden Orientierung, wir erfahren Wärme. Aber wenn die Kerze ausgelöscht ist und wir sie in den dunklen Raum stellen – dann passiert null und nichts.
Das Salz
Oder das Salz: So wenig Salz in der Suppe oder im Nudelwasser – das Salz wirkt!
Und wenn wir Licht und Salz sind – und das ist unser Auftrag – dann sind wir anders als der Sog der Masse, anders als vielleicht die Gesetze des Marktes, anders als die Welt, die einfach nach ihren Regeln rennt und läuft.
Dankbarkeit für unsere Berufung
Und das, denke ich, dürfen wir uns immer bewusst sein. Und eigentlich dürfen wir auch dafür dankbar sein. Was wäre die Welt, wenn es uns Christen nicht gäbe? Das haben sich schon sehr weise Leute gefragt. Und die Antwort lautet: Es wäre schrecklich und grausam, in einer Welt zu leben, wo es keine Christen, kein Licht, kein Salz gäbe. Wenn diese Gemeinschaft, diese Kontrastgesellschaft Kirche nicht existieren würde.
Wir müssen dranbleiben: Haben wir Anteil an diesem Sein, nehmen wir das Licht an, nehmen wir das Salz an, nehmen wir diese Aufgabe an. Wie könnte sonst diese Welt untergehen?